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Der Peru-Projektchor – Reisebericht

Von „Freude, schöner Götterfunken“ bis „Alle meine Entchen“: Bunt gemischt war das Gesangsprogramm, das der Peru-Projektchor fern der Heimat sang.
27 Sängerinnen und Sänger aus dem Gesamtgebiet des Chorverbandes Kniebis-Nagold rund um Chorleiterin Verónica Kluge und ihre zehn Begleiter melden sich nach ihrer Reise „Dank großartiger Arbeit der mitgereisten Reisebegleiterin Ute Wendel erleben Sie die peruanische Hauptstadt in all ihren Facetten“.

 

 

Die Eindrücke waren vielfältig: „Der hervorragenden peruanischen Küche mit ihrem reichen Angebot an Fisch, Fleisch, Gemüse und tropischen, teils bisher unbekannten Früchten und Säften, genossen mit Blick auf die Brandung des Pazifik oder während einer Reit-Show in einer kolonialen Finca, stehen die Armensiedlungen, viele Stunden im Stau, die Trockenheit der Küstenwüste und die Berichte über die Urvölker und die Eroberung durch die Spanischen ›Conquistadores‹ in der beeindruckenden Ausgrabungsstätte von Pachacamac, mit ihren beiden Haupt-Tempeln, den zahlreichen Residenzen und einem architektonisch perfekt angepassten modernen Museum gegenüber.“


So kontrastreich wie die Eindrücke
über Land und Leute waren auch die ersten drei Konzerte verlaufen. In der deutschsprachigen katholischen Gemeinde freute sich eine eher kleine Schar von deutschstämmigen und einheimischen Zuhörern über einen souveränen Auftritt, bei dem in der wohlklingenden Akustik der Klinkersteinkirche schnell der Funke übergesprungen war. Das unterstrichen die guten Gespräche beim anschließenden Empfang und das rege Interesse der Mitglieder des heimischen Chores, sich über bereits bekannte aber auch neue Musikstücke auszutauschen und die Einladung, doch beim nächsten Mal wieder zu ihnen zu kommen.
Es folgte am Morgen darauf ein didaktisches Konzert in der Mädchenschule des Ursulinenordens. Rund 300 Schülerinnen im Alter von zehn bis 15 Jahren lauschten gespannt in dem riesigen Auditorium den Ansagen auf Spanisch von Chorleiterin Verónica Kluge, die in Absprache mit dem dortigen Lehrerkollegium in einem Streifzug durch die Musikgeschichte mit dem hochmotivierten Projekt-Chor Stücke von Renaissance über Klassik und Romantik bis zur Volksmusik vortrug. Überrascht und hoch erfreut waren die Gastgeber über das heimische Chorlied „Huincahonal“ und auch die Einladung zu einem gemeinsamen Lied nahmen die Mädchen sehr gerne an. Ein Gänsehaut-Erlebnis war jedoch das spontane Singen von Dimitri Bortnjanskys „Tebje Pajom“ in der Kapelle der Schule mit ihrer überwältigenden Akustik, die eine tiefgehende spirituelle Kraft ausstrahlt und vermittelt. Bei leckerem heimischem Fingerfood gab es danach Gelegenheit zum interessanten Austausch mit dem Lehrerkollegium und der Schulleitung.


Schöner als jeder begeisterte Applaus

Das Merkmal der Reise, dass ein Erlebnis das nächste übertrifft, würde sich beim Besuch in der Kindertagesstätte der Evangelisch-lutherischen Kirche im Armenviertel Breña fortsetzen. 90 drei- bis fünfjährige Kinder alleinerziehender Mütter werden in diesem sozialen Brennpunkt von den Gefahren der Straße ferngehalten, während ihre Mütter arbeiten gehen. Sie bekommen gesunde Nahrung, liebevolle Zuwendung und gute Erziehung. Verwundert und still hörten die Kleinen und ihre Erzieherinnen zum ersten Mal in ihrem Leben den Klängen des mehrstimmigen Chorgesangs unter anderem von Beethovens „Ode an die Freude“ zu. Die staunenden Kinder riefen so manche Träne der Rührung bei Sängern und Erzieherinnen hervor. Das Raunen der Freude bei den echten Seifenblasen, die beim Lied „Fein sein, beinander bleiben“ von zwei Sängerinnen in den Raum gepustet wurden war sogar noch schöner als jeder begeisterte Applaus der Kinder. Es zahlte sich aus, dass Chorleiterin Kluge auch zweisprachig in der musikalischen Früherziehung bewandert ist. Sie verstand es, das Interesse der Kinder zu bündeln, sie zum Singen unter anderem der spanischen Version von „Alle meine Entchen“ zu motivieren und ihr überraschter Chor antwortete mit der deutschen Fassung. Begeistert klatschen alle bei „Siyahamba“ mit und suchten anschließend die Begegnung mit den Besuchern. Zweifellos bleibt dies ein Höhepunkt des Besuchs in Lima.

 

 

PERU: Das große Abenteuer ging weiter
Auf den Spuren der Inka / Land der harmonischen Gegensätze / letzte Etappe der Reise
Auf ihrer Chorreise durch das Andenland legten die Projektchor-Sängerinnen und -Sänger des Kniebis-Nagold Chorverbands eine Singpause ein, zur Gewöhnung an die Höhenluft in der Stadt Cusco (3500 m ü.N.). So manche hatten mit den Beschwerden der Höhenkrankheit zu kämpfen. Neben dem Erkunden der Stadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, standen Besuche in den umliegenden Ausgrabungen auf dem Programm: der Wassertempel Tambomachay, die Festung Puka Pukara und der Sonnentempel Saqsayhuaman u. A..


Eine 2-Tagestour ins imposante Urubamba-Tal
auf 3000 m Höhe gab zwar Erleichterung für die Höhenkranke, es waren aber noch eine anstrengende Bergwanderung durch die Ausgrabungen von Pisaq, mit ihren Mumiengräbern und der Aufstieg nach Machu-Picchu zu bewältigen. Der überwältigende Anblick der weltbekannten Inka-Stadt entlohnte für alle Strapazen. Die Reisenden sind ganz voller Ehrfurcht über die hochentwickelte Architektur, das große Wissen in Astronomie und die ethischen und kulturellen Eigenheiten der Inka. Von ihrer fortgeschrittenen Agrarwissenschaft erfuhr man in den Terrassen von Moray, die durch ihre perfekte Kreisform auch die ideale Akustik für eine Gesangsprobe bot. „O Herr, gib Frieden“ und „Lobsinget Gott dem Herrn“ füllten die ganze Anlage und durchstreiften die umliegenden Höhen.


Die Sänger erlebten Gegensätze
, die in einem unerwarteten Gleichgewicht harmonieren: Eine Einführung in die Töpferei in einem kleinen Familienbetrieb und der Besuch des berühmten Keramik-Künstlers Pablo Seminario in seinem Atelier, jeweils mit einem spontanen Dankes-Ständchen, fast magische Momente; die Salzbecken von Maras und das fruchtbare Urubamba-Tal; die malerischen einfachen Dörfer mit ihren kleinen Lehmhäusern, engen Gassen und bunten Märkten und die herrschaftlich angelegten kolonialen Gasthäuser umrahmt von riesigen blühenden Bouganvilien; die verschneiten 5000er der Urubamba-Kette und die braun-rot-gelben Weiten der Hochplateaus.


Das bewegendste Erlebnis
aber war das größte Konzert der Reise, in der Kathedrale in Cusco am Dienstag, dem 7. November. Die Sänger traten singend von den beiden Seitenschiffen der Basilika bis vor den Hauptaltar mit seinem dunkelhäutigen Jesus. Von Renaissence bis Romantik, Gospel und Volksmusik verbreitete sich der Chorklang im Hauptschiff der Basilika und floss durch die Seitenschiffe ohne übermäßigen Nachhall mit einer Intensität, die in Mark und Knochen ging, beim Publikum, wie bei den Sängern selbst. Nach einem anhaltenden Applaus, den lobenden Abschiedsworten der Deutschen Honorarkonsulin Maria-Sophia Jürgens und dem Abmarsch mit dem „Adventjodler“ suchten die Gäste den direkten Kontakt mit den Sängern und bedankten sich voller Freude mit rührenden Umarmungen.


Der Weg ging weiter nach Puno
, am Titicaca-See, wo am 9. November das letzte Konzert in der dortigen Kathedrale zusammen mit einheimischen Chören bestritten wurde.

(Text + Foto: V. Kluge, C. Schlecht, A. Binder, Schwarzwälder Bote)

Autor: Tina Bertes am 9. Nov 2017 00:00, Rubrik: Allgemein, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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